5. Tag |
Mit dem Bus 68 (Tickets kosten pro Person und Fahrt 2,30 €, Vorverkauf an der Rezeption) fuhren wir um 9 Uhr nach Bologna. Vom Bahnhof aus läuft man ca. 20 Minuten in die Innenstadt, immer geradeaus vom Piazza XX Settembre die Via dell‘Indipendenza entlang.
Links und rechts liegen Arkaden an denen sich ein kleines Geschäft an das andere reiht. Bologna hat sehr viele Arkaden und in der Innenstadt ist die Länge dieser ca. 40 km. Herrliche Bögen und Decken, teilweise Terrazzo als Boden und hübsche kleine Läden.
Wir erreichten das eindrucksvolle Stadtzentrum mit vielen nahe beieinander liegenden historischen Bauwerken.
Auf der Piazza del Nettuno befinden sich u.a. der Neptunbrunnen und auch die große Multimediabibliothek Salaborsa.
Auf dem Piazza del Nettuno ist der schöne Neptunbrunnen vor dem Palazzo Communale. Die 3,35 m hohe Statue Neptuns besteht aus Bronze und steht in der Mitte des Brunnens, umgeben von Sirenen und Delphinen.
Dort befindet sich auch die Multimediabibliothek Salaborsa, die auf den Ruinen der ehemaligen römischen Stadt Boconia steht. Man kann diesen archäologischen Teil besichtigen, vom Innenhof führt eine Treppe nach unten, wo man auf Stegen mit Glasböden über die Ruinen laufen kann.
Das nächste Besichtigungsziel war die eindrucksvolle Basilica di San Petronio.
Auf dem Boden der Basilica läuft quer der Meridian (eine in Stein eingelassene Linie) des Astronomen Cassini. 22 unterschiedliche Kappellen liegen in den Seitenschiffen der Kirche, eine davon ist besonders interessant, und zwar die Capella dei Re Magi, die ehemalige Privatkapelle der Familie Bolognini. Man kann sie für 5 € Eintritt besichtigen, aber auch aus der Ferne die spannende und umstrittene Darstellung des Dante Infernos gut sehen. Das Fresko stammt von Giovanni da Modena und zeigt als Inferno unter anderem Luzifer, der Sünder verschlingt.
Anschließend warfen wir einen kurzen Blick in die historische Universität, die die größte Europas ist und zu den drittgrößten Universitäten Italiens zählt. Dort befindet sich u.a. auch der restaurierte Anatomiesaal, der wie ein Amphitheater angelegt ist.
Weiter geht es zur Basilica di San Domenico, die leider zur Zeit restauriert wird. Deshalb können wir nur das eine Kirchenschiff betreten und bekommen nur einen kleinen Einblick über den Bauzaun hinweg. Außerhalb der Kirche stehen interessante Glossatorengräber auf Säulen, Gräber der frühen Professoren der Rechtswissenschaft, die römische Texte mit Glossen, d.h. Erläuterungen versahen und Grundlagen für die Rechtssprechung der Kommentierung legten.
Unsere Essentipps und die nachstehenden Lokalitäten für Bologna haben wir übrigens aus dem Kochbuch Bologna von Judith Eisinger und Davina König.
Als nächstes machten wir einen kurzen Halt in dem Principe in Centro, einer kleinen Bar, wo wir einen leckeren Espresso mit Zabaione sowie eine Mascarpone Creme verzehrten.
Gleich in der Nähe befindet sich der Palazzo della Mercanzia, ein Palast der ab 1797 Sitz der Handelskammer wurde
. Dort ist das Originalrezept der Soße Bolognese, d.h. das Ragù. Das ist ein kulturelles Heiligtum aber jeder Haushalt hat seine eigene Variation. Das Originalrezept ist aus Rinderhack mit Pancetta und man isst es generell mit Tagliatelle, nicht mit Spagetti. Wir betraten den Eingang der Handelskammer und staunten nicht schlecht, als dort ein Stapel des Buches Bologna Cucina con Arte lag, wo man sich kostenlos ein Buch mitnehmen konnte. Das Buch (natürlich nur auf Italienisch) enthält Wissenswertes zu Bologna als auch viele Rezepte wie auch das Original Ragù Rezept. Folgende bekannte Spezialitäten wurden alle in Bologna erfunden: Tagliatelle, Ragù, Tortellini, Lasagne und Mortadella.
Gleich in der Nähe liegt einer der mittelalterlichen schiefen schmalen Türme von Bologna, die früher ein Zeichen des Wohlstands und heute das Wahrzeichen der Stadt Bologna darstellten .
Bevor wir zum Restaurant Trattoria Da Me liefen, das etwas weiter entfernt in Richtung Westen in der Via San Felice liegt, bummelten wir noch durch den Marktbereich im Zentrum, wo es viele kleine Spezialitätengeschäfte und Restaurants gibt.
Die Trattoria Da Me kennt jeder in Bologna, gibt es sie doch schon seit 1937 und natürlich empfiehlt es sich hier, vorher zu reservieren. Da man dies online machen kann, hatten wir am Tag vorher einen Platz für Mittags, 12:30 reserviert. Im übrigen wird auch das Da Me derzeit von Frauen geführt, das scheint sich wie ein roter Faden durch unseren Urlaub zu ziehen. Alles ist sehr gut organisiert und trotz des hohen Aufkommens an Gästen, fühlten wir uns sehr wohl und persönlich betreut. Wir genossen als Vorspeisen Stockfisch sowie dreierlei Eis aus Käse, als Zwischengang Tortellini in Brühe und die klassischen Tagliatelle Ragù sowie als Hauptgericht Rippchen und gebratenen Blumenkohl. Auch dieses Restaurant können wir ausnahmslos empfehlen.
Nachdem wir sehr satt geworden waren, liefen wir zurück ins Zentrum und besichtigten die Chiesa di Santa Maria della Vita mit den Skulpturen von Niccolò del‘ Arca für 8 € Eintritt pro Person. Die Hauptattraktion befindet sich in der Kirche seitlich vom Altar, die Figurengruppe Compianto del Cristo Morto, die das Wehklagen Maria und der Jünger über den Tod Christus darstellt. Die lebensgroßen Figuren zeigen ihre Emotionen so ausdrucksstark, dass sie ungemein lebendig wirken.
Im oberen Bereich befinden sich einige Gemälde als auch in einem schönen barock gestaltetem Raum die Gruppe Oratorio dei Battuti. Auch hier begeisterten uns die lebendig wirkenden Skulpturen sehr.
Anschließend besichtigten wir den Pallazo Pepoli mit dem Museo della Storia di Bologna für 10 € pro Person. Hier wird über zwei Ebenen detailliert über die Geschichte Bolognas berichtet von den etruskischen Ursprüngen bis zur Gegenwart. Die Räume sind thematisch gut gegliedert, wir mussten jedoch zugeben, dass wir am Nachmittag dann doch schon relativ müde waren.
Der Bus um 16:40 brachte uns dann zum Campingplatz zurück, wo wir den Abend mit Brot und Leckereien ausklingen ließen.
6. Tag |
Abermals nahmen wir den Bus nach Bologna und 9 Uhr. Heute war es nicht ganz so kalt und windig und es schien die Sonne, aber wir konnten dennoch unsere Daunenjacken weiterhin vertragen.
Zunächst besuchten wir einen kleinen Haushaltsladen, wo wir ein italienisches Nudelholz, d.h. Mattarello und ein Gnocchi Brett kauften, mit denen Gnocchi das typische Muster bekommen.
Inzwischen hatten wir uns umentschieden und wollten am heutigen Tag nun doch die historische Universität besichtigen, also das Archiginnaseo. Um 1088 gegründet gilt diese als die älteste Universität Westeuropas. Das erste Studienfach waren die Rechtswissenschaften, später machte sich die Universität einen Namen im Bereich der Naturwissenschaften und u.a. der Medizin. Die Gänge und Räume im Gebäude sind mit unzähligen Wappen verziert, die auf die Professoren und Studentenvereinigungen zurückzuführen sind.
Das Highlight ist jedoch das Teatro Anatomico von 1637, der Anatomiesaal in kunstvoller Vertäfelung mit vielen Schnitzereien. Im Mittelpunkt steht der Anatomietisch und man kann sich vorstellen, dass damals manche pathologische Vorlesung statt fand. Interessante Schnitzereien sind bspw. die weibliche Allegorie der Anatomie mit einer Putte auf der hölzernen Kanzel, die einen Oberschenkelknochen in der Hand hält und die menschlichen Statuen, die die Kanzel stützen und nur mit Muskeln umhüllte Skelette zeigen.
Der Stabat-Mater-Hörsaal, einst Sitz der Juristen ist mit schönen Bücherregalen umrundet und kunstvollen Wappen ausgestattet.
Über die prachtvolle Juristentreppe erreicht man den Innenhof, der ebenfalls wunderschön gestaltet ist.
Anschließend besichtigten wir den Complesso di Santa Stefano, ein verwinkeltes Gebäude aus insgesamt 4 miteinander verbundenen Kirchen. Ehemals waren dort 7 Kirchen, von dreien sind aber nur noch die Grundmauern erhalten. Aus einem ehemaligen römischen Isis Tempel entstanden dort nach und nach die Kirchen, die byzantinische, romanische und gotische Elemente vereinen.
Die einzelnen Kirchen sind miteinander verbunden und als Abschluss kann man (kostenfrei) noch ein kleines Museum mit Ausstellungsstücken der Kirche besichtigen.
Wir bummelten weiter durch die Innenstadt, kauften frisch gefertigte Pasta, Tortellini und Tagliatelle, die vor unseren Augen frisch geschnitten wurden ein. In der Via san Vitale gab es nicht nur das Restaurant, in dem wir einen Tisch zum Mittagessen reserviert hatten, sondern auch interessante Geschäfte und verschiedene Grafitis an den Wänden.
Wir aßen diesmal in einem eher schlichten, sizilianischen Restaurant, dem Pane e Panelle. Das Essen war abermals vorzüglich mit der Dominanz der geschmackvollen Zutaten, wie bspw. eines vorzüglichen Olivenöls. Als Vorspeise gab es Kabeljau-Artischockenauflauf mit Käsecreme, die Zwischengänge waren Fusili mit Makrelenragout sowie Pasta mit Stockfisch nach neapolitanischer Art.
Die Hauptspeisen waren gegrillte Meeräsche mit einem gemischten Salat mit Möhren sowie Seebrassenfilet mit gegrillten Zucchini.
Nach dem Essen schlenderten wir zurück durch das ehemalige jüdische Viertel, auf italienisch: Ghetto Ebraico. Es liegt im mittelalterlichen Zentrum. Es hat noch heute seine ursprüngliche Struktur beibehalten, ein Labyrinth von verwinkelten Gässchen und ausgesetzten Passagen, überdachten Brücken und kleinen Fenstern erzählt die Geschichte einer kompletten Gemeinschaft. Belebt von den Geschäften der Händler ist das Ghetto zweifellos eines der interessantesten und eindrucksvollsten Viertel der Stadt.
Wir kauften noch ein paar Lebensmittel und fuhren gegen 3 Uhr zurück.
Wir verbrachten einen gemütlichen Nachmittag auf dem Campingplatz mit Planungen für die nächsten Reisetage. Und auch das Schreiben und Hochladen der Fotos dieses Blogs kosten Abends immer noch ein bis zwei Stunden Zeitaufwand, den wir aber sehr gerne für die Leser auf uns nehmen.
7. Tag |
Am bewölkten Vormittag reisten wir aus Bologna ab Richtung Imola und zum Zielpunkt einer sehr schönen Wanderung im Hügelland südlich von Imola. Hier zieht sich bis zum Lamone-Tal ein 25 km langes und durchschnittlich 1,5 km breites Kalkriff entlang, das landläufig als „Vena del Gesso“, d.h. Gipsader bezeichnet wird. Hier war früher ein wichtiges Gipsabbaugebiet und gleich am Anfang unserer Wanderung sehen wir auch einen großen Steinbruch. Die Anfahrtsstraße zur Wanderung ist wie typisch für diese Berggegend schmal und steil, aber durchaus machbar mit unserem kleinen Expeditionsmobil.
Beim Startpunkt der Wanderung (Nr. 23, Outdoor Wanderführer Emilia-Romagna, 4,5 km Länge) gibt es nur wenig Parkmöglichkeiten und wir parkten recht schräg mit unserer Ju am Straßenrand.
Zunächst hielten wir uns links und gingen zur kleinen Kirche Pieve di San Benedetto und zum einem Felsvorsprung beim Sendemast, wo wir einen ersten Ausblick in das Tal hatten (und auch sehr guten Mobilfunkempfang). Von dort aus ging es nun eine lange Strecke immer am Grat entlang über die Kalksteine. Kaum ist einer der kleinen Gipfel erklommen, ist auch schon wieder der nächste in Sicht. Allmählich wurde das Wetter immer sonniger und schöner und wir genossen herrliche Fernsichten und blickten über die steilen Wände des Grats in das Tal.
Wacholderbüsche, Mauerpfeffer, Lavendelsträuche säumten den Weg nebst vieler kleiner Frühlingsblumen. Neben niedlichen kleinen Weinbergs-Traubenhyazinthen entdeckten wir die uns noch nicht bekannte gewöhnlich blaue Kugelblume. Gegen Ende der Wanderung fanden wir sogar noch Purpur-Knabenkraut, eine besonders große Orchideensorte, die aber leider nur in Knospen stand und noch nicht aufgeblüht war.
Nach einer kleinen Rast oben auf einem der Gipfel ging es wieder steil hinunter zur Grotte Abisso A. Lusa. Mit einer ständigen Temperatur von ca. 13-14° bietet sie ein besonders feuchtes Klima für besondere Tierarten und Fledermäuse. Anschließend ging es durch eine wunderschön blühende Wiesenlandschaft zurück zum Ausgangspunkt. Wir können diese abwechslungsreiche Wanderung sehr empfehlen, die besondere Natur der Karstlandschaft als auch die wunderschönen Ausblicke, die sie bietet.
Als Übernachtungsort haben wir uns dieses Mal einen Wanderparkplatz in der Nähe des Monte Mauro gesucht. Man biegt vor Riole Terme ab, folgt dann erst der Via Rio Ferrato und anschließend einfach der Via Monte Mauro bis ans Ende. Von hier aus hat man einen wundervollen Rundumblick in die Landschaft. Eine Kaffee- und Siestapause später laufen wir noch eine kleine Runde über die Bergrücken und genießen die beeindruckende Aussicht. Diese Gegend ist auch für Fahrrad- bzw. Mountainbike-Touren geeignet aufgrund der ausreichend breiten Wege. Zum Abendessen kochen wir uns die in Bologna gekauften Tortellini, dazu gibt es Butter-Salbei. Am Morgen hatten wir einen herrlichen Sonnenaufgang.
8. Tag |
Nach einer wunderbar ruhigen und sternenklaren Nacht und einem gemütlichen Frühstück fuhren wir Richtung Brisighella dem sogenannten Öldorado. Der hübsche alte Ort liegt verwinkelt zwischen 3 Gipsfelsen, auf denen sich auch drei Sehenswürdigkeiten befinden, der Uhrturm, die Burg Rocca Manfrediana und die Kirche Santuario del Monticino.
Zunächst fuhren wir jedoch zu dem Geschäft der Cooperative Agricola Brisighellese, das etwas außerhalb liegt, um Olivenöl einzukaufen. Wir durften ein paar Sorten kosten und entschieden uns für zwei Öle direkt aus Brisighella, die exzellent schmeckten.
Das native Olivenöl extra aus Brisighella hat eine smaragdgrüne Farbe mit goldenen Reflexen. Das intensiv fruchtige Öl wird aus der Sorte Nostrana gewonnen und innerhalb von 12 Stunden nach der Ernte verarbeitet. Es duftet mild bis kräftig nach Früchten mit einem Hauch frischer Kräuter und schmeckt fruchtig mit einer leichten Butternote und einer pikanten Würze.
Wir parkten südlich der Bahnlinie auf einem Platz, wo auch Wohnmobile stehen können. Der Ort selbst ist klein und alles ist gut zu erreichen. Wir besichtigten die Kirche Chiesa Parrocchiale di S. Michele. besichtigt hatten, ging es zu der Eselsstraße Via degli Asini, eine architektonische Besonderheit.
Nach dem Kirchenbesuch ging es zur Antica Via del Borgo einer überdachten Straße aus dem 12. Jahrhundert, die durch unterschiedlich breite Halbbögen erhöht und beleuchtet wird.
Diese kleine höher gelegene überdachte Straße bietet Ausblicke auf die Stadt und ist eine architektonische Besonderheit. Sie läuft auf der Ebene des 1. Stockwerks einer alten Häuserzeile. Die Eselstraße Via degli Asini war einst als Verteidigungsgang konzipiert, wurde später zum Viertel der Fuhrmänner und von ihren Tieren, den Eseln benutzt, die den Gips aus den nahe gelegenen Steinbrüchen abtransportierten.
Wir ließen es uns nicht nehmen den Berg hoch zum Uhrturm zu erklimmen. Kleine Treppen und Gassen führen malerisch nach oben, eröffnen immer wieder neue Ausblicke. Der Uhrturm wurde einst als Verteidigungsbollwerk gebaut, erst 1850 entstand der Uhrturm mit dem charakteristischen 6 Stunden Ziffernblatt.
Der Uhrturm wurde einst als Verteidigungsbollwerk gebaut, erst 1850 entstand der Uhrturm mit dem charakteristischen 6 Stunden Ziffernblatt.
Von dort aus konnten wir einen schönen ebenen Weg entlang zur Burg Rocca Manfrediana di Brisighella laufen, die wir anschließend besichtigten. Sehr enge Wendeltreppen führen in einige Ausstellungsräume und oben auf der Burg kann man rundum über Stege laufen. Ein bisschen mulmiges Gefühl hat man schon, aber die Aussicht ist wirklich schön. Über einen abermals schönen Fußweg mit vielen Treppen ging es wieder in den Ort zurück, wo wir noch Brot und Schinken einkauften.
Zum Mittagessen kehrten wir in die Trattoria La Casetta ein und wir hatten Glück noch 2 Plätze zu bekommen, die wir eine Stunde vorher beim Vorbeigehen vorab reserviert hatten. Ein großer Andrang machte das gemütlich traditionelle Lokal zu einem Stimmengewirr und eifrig hin und her sprintenden Bedienungen. Die Vorspeisen und die Pasta waren sehr gut, die Hauptgerichte Schweinerippen sowie gebratenes Schwein von der Mora Romagnola, der schwarzen Schweinerasse war dann doch zu mächtig für uns.
Im Anschluss fuhren wir in das kleine Dorf Dozza, das in der Nähe von Imola liegt. Der kleine Ort ist sehr touristisch und der empfohlene Übernachtungsparkplatz war sehr voll, so dass wir uns überlegten, woanders zu übernachten.
Das Dorf ist eine Art Freilicht-Kunstmuseum mit vielen farbenfrohen Fresken und Gemälden an den Wänden der Häuser. Die Schöpfer sind vornehmlich italienische Künstler und einige Werke sind sehr eigenwillig.
Wir warfen einen Blick in die Kirche und tranken zum Abschluss noch einen Cappuccino und Espresso. Insgesamt ist der Ort sehr überschaubar, recht touristisch aber wir waren im Vergleich zu Brisighella, das uns sehr gefallen hatte, dann doch etwas enttäuscht. Ihm fehlt etwas vom Flair und italienischen Lebensgefühl bzw. Trubel.
Zum Abschluss tranken wir noch einen Cappuccino und Espresso im Café.
Ein paar Worte zu der Planung unserer Reise. Generell legen wir immer für jeden Tag grob die Ziele, Sehenswürdigkeiten und mögliche Übernachtungsplätze fest, entscheiden dann aber doch letztlich flexibel vor Ort. Manchmal sind wir schneller fertig, haben noch neue, geänderte Ideen und manchmal, wie diesmal verplanen wir uns auch einfach. Wir hatten für den Sonntag eine Führung im Museo dell‘ Aceto Balsamico Tradizionale di Modena gebucht und angenommen, das Museum liegt in Modena. Als wir nach Parkplatzmöglichkeiten vor Ort suchten, stellten wir fest, dass das Museum in Spilamberto liegt, ein Ort, der noch gut eine halbe Stunde von Modena entfernt ist und in der Nähe von Vignola ist. Dort wollten wir erst am Montag wandern und den Ort besichtigen, jetzt werden wir aber alles auf den Ostersonntag schieben und Ostermontag Modena besichtigen.
Als Zwischenstopp für die Übernachtung suchten wir uns einen Wanderparkplatz südlich von Bologna, den Parcheggio di Via de Forte. Leider liegt der Parkplatz in der Nähe einer kleineren Straße, wo gerade am Samstag Abend noch begeistert Motorradfahrer recht lärmend ihre Rennen fuhren.
9. Tag |
Am Ostersonntag gab es zunächst ein gemütliches Frühstück natürlich mit Ei und wir fuhren früh kurz nach 8 Uhr nach Spilamberto, um dem zu erwartenden Verkehr bei Bologna aus dem Weg zu gehen. Das Museum befindet sich in einem alten unscheinbaren Haus, ist aber innen sehr liebevoll eingerichtet und geht neben dem Erdgeschoss noch über zwei weitere Etagen.
Unsere Führung auf Englisch im Museum war für 10:45 Uhr gebucht und es empfiehlt sich vorab eine Tour hier zu buchen, da die Plätze begrenzt sind:
https://www.museodelbalsamicotradizionale.org/de/besuche/
Wir hatten eine Führerin, die sehr gut Englisch konnte und uns mit ihrer Persönlichkeit begeisterte. Wir haben in der Tour sehr viel über Balsamico Essig gelernt und können so eine Tour uneingeschränkt empfehlen. Zunächst einmal ist die Herstellung des traditionellen Balsamico Essig sehr aufwändig und industriell nicht machbar. Das was man gemeinhin im Supermarkt unter dem Namen kaufen kann (ohne Zusatz tradizionale) wird innerhalb von 6 Monaten hergestellt und ist eine Mischung aus Traubenmost und Essig. Je mehr Most und je weniger Zutaten desto hochwertiger, wobei weitere Zutaten oft als Geschmacksoptimierer verwendet werden.
All das ist weit entfernt vom wirklichen Balsamico Essig, der normalerweise 25 Jahre Reifezeit hat. Die Rezeptur wurde in früheren Jahrhunderten i.d.R. mündlich von Familie zu Familie weitergegeben. Der Essig ist quasi durch Zufall entstanden, als süßer Wein in den offenen Obergeschossen bei der Wärme zu lange gelagert wurde und in Essig umschlug.
Anbei eine Kurzfassung der Herstellung: der Balsamico Essig wird aus sehr reifen weißen Trauben mit hohem Zuckeranteil spät im Herbst geerntet und zu Maische verarbeitet. Dann wird er zunächst draußen über dem Feuer bei ca. 90° gekocht und danach im „Mutterfass“ über den Winter im Keller gelagert und im Sommer wärmer zum Fermentieren gestellt. Im zweiten Jahr wird dann der nun vom Volumen her reduzierte Essig in das erste größere Fass aufgefüllt und alle 2-3 Jahre wird er in das nächste, ältere Fass umgefüllt. Insgesamt verwendet man für die 25 Jahre Lagerzeit mehrere Fässer (z.B. 6-9 Stück), das letzte ist das kleinste, aus dem dann der fertige Balsamico Essig abgefüllt wird. Dieses wird mit den vorherigen ältesten Fass dann einmal im Jahr aufgefüllt, das wieder mit dem vorherigen ergänzt wird u.s.w. Und so ist der Essig letztlich eine Mischung aus vielen Jahrgängen und im Schnitt 25 Jahre alt.
Das Holz der Fässer ist wesentlich für den Geschmack des Essigs und interessanterweise entscheidet der Erwerb von guten Fässern darüber, ob und welchen Essig man machen kann. Es ist heutzutage nicht einfach, gute Fässer bzw. Holz zu bekommen und Küfer, die diese Fässer noch herstellen können. Verschiedene Hölzer wie Eiche, Kastanie, Robenie und mehr kommen in Frage, ganz besonders für den Geschmack sind bspw. Wacholderholz-Fässer. Einmal im Jahr werden die besten Balsamico Essige prämiert nach neutralen Kriterien und in offizielle speziell geformte Fläschchen umgefüllt. Ein runder Ballon für die Flasche soll den runden Geschmack darstellen, der feste stabile Fuss das solide Handwerk.
Zum Abschluss durften wir dann eine Geschmacksprobe der Essige machen, hierzu nimmt man traditionell Silber- oder Porzellanlöffel, aber auch unsere Plastiklöffel haben den Genuss nicht getrübt.
Anschließend konnten wir nicht widerstehen und haben uns dann doch noch Essig (25 Jahre alten Wacholderholz-Essig) und auch Pralinen gekauft. Der Essig wird nämlich in der Region zu verschiedensten Produkten serviert, neben Parmesan, Omeletts und sonstigen Speisen, schmeckt er auch toll zu bitterer Schokolade. Und bspw. zu Eis, einen Tipp die nahe gelegene Eisdiele im Anschluss zu besuchen, folgten wir natürlich und aßen ein leckeres Balsamico Eis mit 5 Tropfen eines 25 Jahre alten Aceto Balsamico tradizionale di Modena.
Danach fuhren wir nach Vignola, ein hübsches kleines Städtchen, das unter anderem für die Kirsche Mora di Vignola bekannt ist. Am nächsten Freitag wäre das Kirschblütenfest gewesen. Wir parkten auf dem Parkplatz bei der Burg und liefen einmal durch den Ort, der zwei Sehenswürdigkeiten bietet. Das beeindruckende Schloss bzw. Burg Rocca di Vignola und den Palazzo Barozzi-Boncompagni. Der Renaissance Palast hat eine wunderschöne, architektonisch beeindruckende Wendeltreppe. Außerdem ist der Ort noch für die Torte Barozzi der Pasticceria Gollini bekannt. Da wir aber zur Mittagszeit dort waren und sowohl Geschäfte und Sehenswürdigkeiten geschlossen hatten, blieb es bei dem kurzem Rundgang und dem Versprechen an den Ort, ihn in Zukunft einmal ausführlich zu besichtigen.
Für den Nachmittag hatten wir die Wanderung Sassi di Roccamalatina (Nr. 14, Outdoor Wanderführer Emilia-Romagna, 47,2 km Länge) geplant, die ca. 20 Minuten entfernt in südlicher Richtung von Vignola liegt. Der Naturpark Sassi di Roccamalatina bietet wunderschöne Aussichten, eine abwechslungsreiche Landschaft mit Eichenwäldern und kleinen mittelalterlichen Dörfern. Wir wanderten durch ein idyllisches Tal und an einer Bergseite hoch im lichten frühlingshaften Wald bis wir letztlich die beeindruckenden Sandsteinfelsen Sasso della Croce erreichten, die man im übrigen auch besteigen kann. Dort ist auch ein Besucherzentrum und eine kleine Osteria, wo wir uns eine Pause mit Kaffee und Kuchen gönnten.
Im Hintergrund des herrlichen Panaromas waren die noch schneebedeckten Gipfel des Apennin zu sehen. Der Rückweg führt am Ort Trebbio vorbei, wo uns eine auf einem Feld stehende Frau begeisterte, die wunderschön Geige spielte. Ein ganz besonderer Eindruck. Nach dem Besteigen des letzten Hügels ging es über La Grilla zurück zum Ausgangspunkt der Wanderung.
Zur Übernachtung suchten wir uns einen Parkplatz in der Nähe des Friedhofs im Ort Castelnuova Rangone, der recht nah bei Modena liegt.