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Lappland

Blogeintrag unserer 3-wöchigen Rundreise durch Lappland mit dem Wohnmo-bil. 

Bild: Halbinsel Ekkerøy, Varanger
Halbinsel Ekkerøy, Varanger

Wenn man in Lappland oder korrekter Sápmi ankommt, sollte man aufhören, über Entfernungen und Kilometer nachzudenken, denn nur dann hat man die Möglichkeit viel von der Schönheit und Vielfältigkeit des Landes zu entdecken. 


7. - 9.8.19 Lappland Anreise von Hamburg


7.08.2019 18.45 Uhr Fähre Kiel Göteborg

8.08.2019 9.15 Uhr Fähre Ankunft Göteborg, um 10.30 Uhr endlich auf der Straße Richtung Luleå, bis man von der Fähre runter ist und durch die Zollstation (ohne Kontrolle) vergehen mindestens 60 Minuten.

Bis 19.00 Uhr noch 800 Kilometer gefahren.

9.08.2019 um 4.30 Uhr aufgewacht. Richtig dunkel wird es hier nachts nicht, obwohl Sonnenauf - und untergangszeiten von ca. 3.00 Uhr und 21.00 Uhr genannt werden. Jedenfalls ist es bereits taghell. Da ich, Thomas, wach bin, fahre ich nach einem kurzen Frühstück los, es warten ja noch 450 Kilometer auf mich. Um ca. 11.00 Uhr komme ich in Luleå an. Um 19.12 Uhr landet Judiths Flieger endlich und wir fahren gleich weiter zu unserem Übernachtungsplatz in Finnland. Hätten wir nicht darauf gachtet, wir hätten die Grenze verpennt. Bis Rovaniemi am nächsten Tag sind die Europastraßen gut ausgebaut und man kommt einigermaßen zügig voran, was sich zum Überbrücken großer Entfernungen gut eignet, etwas vom Land sehen und erleben kann man aber nur abseits dieser Straßen.

Bild: Fahrt nach Luleå

Bis Rovaniemi am nächsten Tag sind die Europastraßen gut ausgebaut und man kommt einigermaßen zügig voran, was sich zum Überbrücken großer Entfer-nungen gut eignet, etwas vom Land sehen und erleben kann man aber nur abseits dieser Straßen.

10.8.19  Wanderung Phyä-Luosto Nationalpark


Bild: Stellplatz an der Ostsee

Der offizielle Teil des Urlaubs startet an Thomas Geburtstag mit einem gemütlichen Frühstück an der Ostsee, ganz im Norden schon hinter der Grenze nach Finnland.

Thomas war schon am Mittwoch mit dem Wohnmobil losgefahren, Fähre nach Göteborg und dann in 2 Tagen nach Luleå, wo Judith dann mit dem Flieger nach kam. Auf Schwedisch spricht man den Ort Luljo aus, so ein angedeutetes 2. L, zumindest versuchte sich das Judith einzuprägen, nachdem sie es mehrfach im Flieger hörte. Der Flughafen ist klein und niedlich, Judith suchte noch den Zollausgang, aber da stand schon Thomas vor ihr und ihr wurde klar, dass es so einen Ausgang bei einem rein nationalen Flughafen gar nicht gibt.

Wir fuhren noch ca. 200 km und suchten uns einen Stellplatz, der ruhig am Wasser liegt.

Zunächst geht es nach Rovaniemi zum Einkaufen, der angeblichen Hauptstadt Lapplands, wo der Weihnachtsmann lebt. Der Ort soll sehr touristisch sein, wir gehen nur über den Markt, kaufen dort sehr leckere Erdbeeren und kaufen im Supermarkt das Nötigste für die nächsten Tage ein.

Dann fahren wir in den Phyä-Luosto Nationalpark, wo sich auch ein Skigebiet befindet. Wir sind erstaunt, wie voll der Parkplatz ist, bis wir feststellen, dass heute ein Trail Run stattfindet. Die Runde (aus dem Rother, Nr. 49), mit 8 km gefällt uns sehr. Beginnt sie zunächst idyllisch in einem kleinen Wald, geht es bei de Rasthütte Isokuru in die gleichnamige beeindruckende Schlucht eine Unzahl von Holztreppen hinunter, die am Ende wieder erklommen werden müssen. Die Schlucht wirkt mit Felsbrocken, Schutthängen und klaren Bächen sehr idyllisch. Unterwegs gibt es einige schöne Hütten mit Feuerstellen, die Lust auf eine Rast machen. Wir fahren jedoch noch 200 km weiter Richtung Karasjok, der größten Samensiedlung Norwegens und übernachten ruhig auf einem alten, etwas abseits von der Straße liegenden Parkplatz. 

Zum Abendessen gibt es leckeren gebratenen Lachs und Kartoffelsalat.


11.8.19 Karasjok und Wanderung Stabbursdalen Nationalpark


Am nächsten Morgen fahren wir Richtung Inari und dann weiter über die Grenze nach Karasjok. Zunächst regnet es etwas, aber dann wird der Tag noch schön, bewölkt, trocken und ab und zu blitzt auch die Sonne hervor. Inari werden wir in ein paar Tagen nochmals besuchen, um das große Musik-Festival der Samen zu sehen. Die Samen sind ein indigenes Volk im Norden Fennoskandinaviens.

Karasjok liegt auf dem Weg und ist ein kleiner Ort, in dem sich der Norwegische Sametinget, der Landtag der Samen befindet. Das Gebäude ist architektonisch sehr ansprechend, die kreisförmige Konstruktion mit Holzfassade ist der Form eines Samenzeltes nachempfunden. Ansonsten hat der Ort noch eine alte Kirche und ein Museum zu bieten. 

Nach kurzer Mittagsrast fahren wir weiter Richtung Norden. Die Nordkapp Straße ist befahren und bietet schöne Ausblicke. Abermals sehen wir Rentiere an der Straße. Der Nationalpark Stabbursdalen liegt etwas abseits und ist über 6 km Schotterstraße zu erreichen. Wir wandern 5 km hin und zurück zum Stabburs Wasserfall. Die Wanderung ist leicht und führt durch den nördlichsten Kiefernwald der Welt. Die kleinen, bis zu 500 Jahre alten, wettergegerbten Kiefern gefallen uns sehr. Der Boden ist mit Blaubeeren und Preiselbeeren bedeckt. Wir sammeln Blaubeeren, die am Abend noch zu Marmelade verarbeitet werden. Wir finden sogar ein paar Moltebeeren, die wir gleich so essen, sehr lecker! Die Wanderung ist sehr empfehlenswert, die urwüchsige Natur, die knorrigen Kiefern, lichte Birken. Bevor es zum Wasserfall geht, muss man noch einen Zaun überqueren. Der Wasserfall liegt unten in einem Tal, ist hübsch aber wir hatten ihn uns stattlicher vorgestellt.

Den Abend verbringen wir auf einem Campingplatz in Lakselv, wo wir am nächsten Morgen noch einkaufen wollen.

Auch wenn um halb elf Uhr jetzt die Sonne längst untergegangen ist, ist es immer noch etwas hell und wir blicken über den Fjord. Wir hätten nicht erwartet, dass die langen Sommertage auch im August noch diesen Reiz besitzen.


12.8.19 Fahrt nach Varanger, Spaziergang Høyholmen


Bild: Rentier Herde
Rentier Herde

Heute hatten wir einiges an Strecke zu fahren und zwar ca. 460 km nach Hamningberg auf Varanger inklusive eines Abstechers zum Høyholmen. Man kommt auf den Straßen nur langsam voran, so dass wir insgesamt fast 7 Stunden benötigen. Zunächst gehen wir in Lakselv einkaufen, damit wir die nächsten Tage gut versorgt sind. Der Spar Markt gefällt uns am besten und wir besorgen uns Fischfrikadellen, die wir hier immer sehr gerne essen, Køttbullar, Kartoffelsalat sowie Brot, Käse und Aufschnitt und was man so alles benötigt.

Die Strecke führt zunächst malerisch am Fjord entlang und wir kommen gut voran. Es geht über eine Hochebene und wir sehen in der Ferne Schneefelder. Wir erreichen den Fluss und Fjord Tana, den wir bis Tana Bru hinunter fahren, um dann wieder die gleiche Strecke hinaufzufahren. Dort fahren wir über eine kleine Schotterpiste auf die Landzunge Høyholmen, die aus einem 7 km langen Strand besteht und ein Vogelparadies ist. Wir drehen eine kurze Runde und genießen die herrlichen Ausblicke auf Wasser und Berge. Nach einem Kaffee im Wohnmobil geht es es weiter. 

Bild: Høyholmen Strand
Høyholmen Strand

Unser Ziel ist Hamningberg, der einzige Ort auf Varanger, der im Krieg nicht zerstört worden ist. Er liegt wirklich am Ende der Welt an der Nordost Spitze von Varanger und die Straße endet hier. Schon nach Vadsø wird die Landschaft eindrucksvoll mit flachen Grasebenen. Schafe kreuzen die Straße. Nach Vardø hingegen kommen wir in eine andere Welt, die uns an Mordor aus Herr der Ringe erinnert. Eine schroffe, graue Felslandschaft unwirklicher Art empfängt uns. Die schmale einspurige Straße schlängelt sich durch die zackigen Felsformationen. Ab und zu müssen wir ausweichen. Wir sind jetzt an der Barentssee, die uns rau und stürmisch empfängt. Graue Wolken und ein einsetzender Regen verstärken die unheimliche Stimmung. 

Schließlich erreichen wir den Stellplatz bei Hamningberg, auf dem verstreut ein paar wenige Wohnmobile stehen. Es regnet inzwischen in Strömen und wir blicken auf die Fjelllandschaft, eine Gruppe Rentiere grast in der Nähe und vor dem Fenster spazieren Möwen , die neugierig hinein gucken.

Wenn der Regen aufhören sollte, wollen wir nach dem Essen noch eine kleine Runde drehen. Mal schaun.

Fahrt nach Hamningberg


13.8.19 Varanger, Wanderung Syltevikvatnet


Während wir gemütlich am Frühstückstisch sitzen, ruft Thomas plötzlich „Judith, kuck mal raus“, denn er hat hinter dem Auto einen Polarfuchs entdeckt. Neugierig blickt der Fuchs zum Auto und läuft dann auf das Fjell und Thomas gelingt es, ein paar schöne Fotos und Filme zu machen. Zunächst drehen wir eine kleine Runde durch Hamningberg, ein wirklich bezaubernder, urtümlicher Ort mit schönen alten grasbedeckten Häusern. Der Ort ist nicht mehr ganzjährig bewohnt, da die Straße dorthin im Winter nicht befahrbar ist. So gibt es dort nur einige abgeschiedene Ferienhäuser für Sommergäste, und ganz viele Rentiere, die sogar durch Hamningberg spazieren. 

Unser heutiges Wanderziel ist Syltevikvatnet, ein beindruckendes Tal mit einem großen See. Der Weg zum Ausgangspunkt der Wanderung führt eine Schotterstraße entlang, die große mit Wasserpfützen gefüllte Schlaglöcher hat, die wir langsam holpernd durchfahren. 

Leider nieselt es durchgehend den ganzen Tag, so dass wir unsere Regenkleidung nehmen, am Ende der 13,5 km Wanderung dann trotzdem recht durchnässt und kalt sind.

Zunächst führt der Pfad durch die Fjelllandschaft, ab und zu blitzen Moltebeeren rot auf, sie sind noch nicht gelb genug, um erntereif zu sein. Sie sind auch ein Zeichen für die feuchte, moorige Landschaft, und in der Nähe des Sees zeugen davon auch viele Wollgräser. Wir stapfen durch den Morast und umrunden danach den Berg hinter dem See. Dahinter liegt das Meer und uns erwartet abermals die felsige, schroffe Landschaft, die die Gegend hier dominiert. Eine kurze Rast im Windschatten einiger Schieferfelsen und dann geht es weiter. Wir entdecken noch einige Pilze für unser Abendessen, ein Rentiergeschnetzeltes. Insgesamt brauchen wir mehr als 5 Stunden für die Wanderung und kommen durchnässt und müde beim Wohnmobil wieder an. Deshalb entscheiden wir uns auch spontan, hier auf dem Wanderparkplatz zu übernachten. Da es recht diesig ist und unsere Fensterscheiben beschlagen sind, können wir nur wenig von der Aussicht genießen.


14.8.19 Varanger Vardø und Ekkerøy


Heute weckt uns ein bedeckter Himmel und der Nordwind auf Varanger lassen uns die 10 Grad als deutlich kühler empfinden. Zunächst fahren wir nach Vardø, um dort eine kleine Runde gegenüber der Vogelinsel Hornøya zu drehen. Vardø ist die einzige Stadt Westeuropas, die in der Arktischen Klimazone liegt. Im früheren Sommer lohnt sich ein Ausflug mit dem Boot zur Vogelinsel, brüten dort unzählige Wasservögel wie zum Beispiel Papageitaucher, Trottellummen und Silbermöwen. Wir fahren durch den kleinen Ort und kaufen in einem Supermarkt ein.

Man sollte keine große Erwartungen bzgl. attraktiver Orte hegen, die meisten Häuser wirken wie einfache Zweckbauten und das Seeklima lässt die Holzfassaden schnell verwittern. Wir können uns gut vorstellen, wie dunkel, kalt und hart die Winter hier sind.

Anschließend fahren wir zur Halbinsel Ekkerøy (s. Foto oben), auf der sich Überreste einer Wikinger Siedlung befinden und ebenfalls eine große Vogelkolonie. Wir umrunden die Insel auf einer schönen Wanderroute, die ca. 6,5 km umfasst. Zwar finden wir auch hier kaum noch Seevögel, da wir zu spät im Jahr sind, finden jedoch einige leckere Moltebeeren, die auf der torfigen Insel sehr gut wachsen. Hier sind wir zeitlich fast zu früh, die meisten Beeren sind noch rot und hart. Wenn sie reif sind, werden sie orange und weich. Die gesammelten Beeren wollen wir am nächsten Tag zu einem Kuchen verarbeiten.

Wir genießen immer wieder schöne Ausblicke auf das Meer und sehen in der Ferne ein Schiff der Hurtigruten auf dem Weg nach Kirkenes vorbeifahren. 

Man merkt, dass wir hier in einer arktischen Zone sind, es gibt fast keine Bäume aber eine Vielzahl von Moosen und Zwerggehölzen. Besonders fasziniert uns jedoch das Licht, insbesondere wenn das Meer in ein silbriges Grau getaucht ist und den Himmel widerspiegelt.

Wir machen uns nun auf den Weg Richtung Inari, unserem nächsten Ziel. 

Bild: Nesseby Kirche

 

Zum Abschluss fahren wir noch an der Nesseby Kirche vorbei, die sehr idyllisch am Meer liegt. Leider ist sie geschlossen. 

Bild: Übernachtungsplatz am Fluss

In der Nähe des Kevo National-parkes finden wir an der E75 einen schönen Übernachtungsplatz direkt am Fluss.


15.8.19 Inari, Wanderung Einödskirche Pielpajärven


Noch auf unserem Übernachtungsparkplatz backt Judith am Morgen einen Sauerrahmmürbeteigkuchen mit den Moltebeeren, der gut gelingt. Der leichte Mürbeteigboden passt zu den torfigen Moltebeeren, die einen einzigartigen Geschmack haben. 

Bild: Wanderung Pielpajärven
Wanderung Pielpajärven

Wir fahren die restlichen 100 km nach Inari, wo wir drei Nächte auf dem Campingplatz Uruniemi verbringen werden, um Freitag und Samstag das Ijahis Idja Musikfestival der Samen zu besuchen. Nach einem Einkauf machen wir jedoch erstmal noch eine schöne Wanderung zur Einödskirche, vom Parkplatz aus 5 km hin und zurück. Man hätte auch das Boot nehmen können, das um 13 Uhr losfährt. Wir bevorzugen jedoch diese Variante, um zeitlich flexibler zu sein.

Die Wanderung führt durch einen schönen Taiga Kiefernwald, wo abermals viele Blaubeeren und Krähenbeeren wachsen. Ein besonders intensiver Duft geht von der Rosmarinheide aus, die aber nicht essbar ist. 

Bild: Wanderung zur Einödkirche

Inmitten des Waldes liegt die Holzkirche idyllisch an einer Blumenwiese. Ein paar wenige Hütten drum herum dienen auch Wanderern als Unterschlupf. Früher, als die Samen als Nomaden unterwegs waren, dienten diese Hütten um die Kirche herum als Unterkunft, wenn die Kirche zu Feierlichkeiten besucht wurde.

Wir sammeln nochmals Blaubeeren, um wieder Marmelade zu kochen, die äußerst lecker schmeckt.

Am frühen Abend erreichen wir unseren Campingplatz Uruniemi und bekommen einen schönen Stellplatz mit Blick auf den See.

Bild: Übernachtungsplatz am See

16.8. Inari, Museumsbesuch und Ijahis Idja Festival


Am Vormittag haben wir zunächst einmal wieder Blaubeermarmelade gekocht.

Dann sind wir mit dem Wohnmobil zum Museum Siida gefahren, das 3 km vom Campingplatz entfernt in Inari liegt. Es fährt hier zwar auch sporadisch ein Bus, jedoch kein passender am Morgen. Und da wir abends zum Ijahis Idja Festival laufen wollen, wollten wir nicht schon die gleiche Strecke morgens zurücklegen.

Das Museum wurde in den 90er Jahren gebaut und bringt einem auf eine sehr schöne Weise das Leben der Samen nahe. Es zeigt die enge Verbindung zwischen Natur und Mensch schon in der räumlichen Gestaltung des Hauptausstellungsraumes. der Samen gezeigt. 


Rundherum sind die verschiedenen Jahreszeiten, Tiere und Pflanzen in schönen Bildern und Texten dargestellt und in einem inneren Quadrat des Raumes wird das Leben der Samen gezeigt. 

Der Eintritt kostet 10 € und der Besuch lohnt definitiv. Die Bilder und auch die ausgestopften Tiere sind von außerordentlich hoher Qualität und die Texte sehr informativ. Ein kleines Außengelände ergänzt den Eindruck. Eine Besuchergruppe von Samen in Trachten erfreut uns. Wie wir lesen, hat erst in den letzten Jahrzehnten das Volksgefühl der Samen als Gemeinschaft über die Grenzen hinweg wieder Auftrieb gewonnen und auch jüngere Leute interessieren sich vermehrt für Traditionen, die Sprache und tragen an festlichen Anlässen auch Tracht. 

Bild: Grillen Uruniemi

Erfreulicherweise ist heute das Wetter etwas besser, ab und zu blitzt die Sonne hervor und so grillen wir am Mittag und sitzen draußen. 

Um halb sieben laufen wir die 3 km in den Ort zum Ijahis Idja Festival. Es ist ein wirklich besonderes Festival, das rund um das Sajos gruppiert ist. Sajos, das samische Parlament im Kulturzentrum Sajos regelt die Angelegenheiten der über 8000 finnischen Samen. Es wird alle 4 Jahre gewählt. Das sternförmige Gebäude steht am Ufer des Juutanjoki. Das Gebäude spiegelt die Verbindung mit der Natur wider, ein Holzbau, der hochgewachsen an Bäume erinnert und sich nahtlos in ein angrenzendes Waldstück integriert.

In einigen Zelten wird lokale Handwerksarbeit verkauft, es gibt eine kleine Bühne, einen Verkaufsbereich für Alkoholisches sowie einen Stand mit Essen. Wir schlendern über den Platz und bewundern die vielen Besucher in traditioneller samischer Kleidung, insbesondere die jungen Frauen haben die Tracht oftmals mit modernen Stoffen, Mustern und Accessoires gemischt, was sehr schick aussieht.

Ab 20 Uhr beginnen die Musiker, zunächst Anna Morottaja, die sehr traditionellen Joik singt, danach Niko Valkeapää und als Höhepunkt des Abends war der Star Mari Boine eingeladen, die auch internationale Bekanntheit besitzt. Die Atmosphäre, die Menschen und die Musik begeistert uns sehr. Und die Botschaft, die uns über die Musik vermittelt wird, geht uns zu Herzen. Ein Auszug aus ihrem Lied Gula Gula fasst dies gut zusammen: „Höre, Bruder, höre Schwester … Höre die Stimmen der Vormütter. Sie fragen euch, warum die Erde vergiftet und verbraucht ist. Sie erinnern euch daran, woher ihr gekommen seid. Sie wollen euch daran erinnern, dass die Erde unsere Mutter ist. Wenn wir ihr das Leben nehmen, werden wir mit ihr sterben“ (Auszug aus Wikipedia).

Kurz vor 1 Uhr sind wir wieder zurück am Campingplatz, der in eine blaue Dämmerstimmung gehüllt ist. Ijahis idja heißt übersetzt „Nachtlose Nacht“.

Bild: Übernachtungsplatz am Abend

Unser Eindruck zusammengefasst in einem kurzen Video:


17.8.19 Inari, Ijahis Idja Festival


Auch der zweite Tag des Festivals gefällt uns sehr, wenngleich die Musik am ersten Tag aus unserer Sicht besser war. Zunächst hören wir uns einen Samischen Poetry Slam an, erfreulicherweise teilweise mit englischen Übersetzungen. Eine ältere Dichterin, ganz der großmütterliche, freundliche Typ überrascht uns sehr mit nicht ganz jugendfreien Texten. Das heißt eigentlich gar nicht jugendfreien Gedichten. So sehr kann das Äußere täuschen.

Bevor es jedoch weitergeht, haben wir im Restaurant Aanaar im Traditionshotel Kultahovi einen Tisch bestellt. Thomas hatte das Restaurant entdeckt und wir sind begeistert. Es bietet Gerichte aus der Region, naturnah mit lokalen Erzeugnissen hergestellt und ist sogar auf der Platz 8 der Rangliste der besten finnischen Restaurants 2018. Wir nehmen das 5 Gänge Menü mit Weinbegleitung, das mit 59€ plus 24€ für die Weine preislich für die Region hier völlig im Rahmen liegt.

Anbei die Menüfolge für Interessierte bzw. zum Mund wässrig machen.

Wir sind hellauf begeistert und können nur sagen, dass das Essen dort besser war als in manch einem Sternehotel in Deutschland. Es ist ein Lappland Wald Duft Genuss Erlebnis, eine Wanderung der Gaumenfreuden.

Amuse geule: getrocknete Rentierflechte mit Rentierpulver und Creme Fraiche mit fermentierten Knoblauch
Amuse geule: getrocknete Rentierflechte mit Rentierpulver und Creme Fraiche mit fermentierten Knoblauch
Zwischengang: Brandade vom getrockneten Hecht aus dem Inarisee, Hechtmousse, marinierte Angelika, Fenchelzitronenemulsion und Bottaga
Zwischengang: Brandade vom getrockneten Hecht aus dem Inarisee, Hechtmousse, marinierte Angelika, Fenchelzitronenemulsion und Bottaga
Mittelspeise: Heidelbeeren, Angelika und Preiselbeeren
Mittelspeise: Heidelbeeren, Angelika und Preiselbeeren
Vorspeise: Toast mit gesalzener großer Maräne aus dem Inarisee, Crevetten vom Eismeer, Maränenrogen und Gurkendillgranita
Vorspeise: Toast mit gesalzener großer Maräne aus dem Inarisee, Crevetten vom Eismeer, Maränenrogen und Gurkendillgranita
Hauptspeise: Rentierbraten mit Kiefernadeln geräuchert, Rentierblutpudding, mit Heidelbeeren gewürzte Rentierflechte und Püree aus Lappländischen Kartoffeln
Hauptspeise: Rentierbraten mit Kiefernadeln geräuchert, Rentierblutpudding, mit Heidelbeeren gewürzte Rentierflechte und Püree aus Lappländischen Kartoffeln
Nachtisch Rauchsauna: Birkenblättersorbet, Schokoladenmousse mit Teerlakritz, Rauch
Nachtisch Rauchsauna: Birkenblättersorbet, Schokoladenmousse mit Teerlakritz, Rauch

Im Anschluss geht es zurück zum Festival, dem Lassowerfwettbewerb zusehen und dann noch einigen Musikgruppen.


18.8.19 Fahrt nach Schweden über Jyppyrä und Kiruna


Dieser Tag wird ein Reisetag werden, immer Richtung Westen nach Schweden und dann Richtung Abisko Nationalpark.

Zunächst geht es durch die einsame finnische Taigalandschaft. Judith scherzt noch, dass in 60 km die reparaturbedürftige Strasse besser werden würde, schon wandelt sie sich in unbefestigte Straßen, denen wir weitere 50 km folgen dürfen.

Insgesamt fahren wir heute ungefähr 570 km, deshalb hat Thomas auch eine ausgiebige Mittagspause eingeplant, die wir in Enontekiö mit einer kleinen 2 km langen Wanderung auf den Jyppyrä verbringen, von wo aus man eine schöne Aussicht hat. Wir sammeln ein paar Heidelbeeren, die wir zum Kaffee mit Vanillesauce essen.

Bild: Kiruna in Schweden

Als wir die Grenze nach Schweden überqueren, wird das Wetter schlechter und es regnet heftig. Die nun gut ausgebauten Straßen Richtung Kiruna ziehen sich. Ein kurzer Abstecher nach Kiruna einschließlich eines Einkaufs folgen. 

Die Bergbaustadt, die an einer großen Eisenerzgrube liegt, hat einen sehr speziellen Charme, der zumindest Judith gar nicht begeistert. Industriebauten, einfache Wohnhäuser mit Blick die riesige Bergabbaulandschaft zeichnen das Bild. Da sich unter der Stadt noch große Erzvorkommen befinden, soll sie bis 2040 um 5 km verlegt werden. Die Vorstellung ist seltsam und schafft eine Atmosphäre des Vergänglichen, alles wirkt, als lohne es sich nicht mehr, noch etwas zu investieren. Das alte Rathaus haben wir schon nicht mehr gefunden.

Zur Übernachtung halten wir an einem Rastplatz am Torneträsk See.