Schottland - Von den Cairngorms nach Hull


3. und letzter Teil


16. Tag: Wanderung Loch Muick und Lochnagar


Bild: Cairngorms
Bild: Cairngorms

Nachdem wir die Wettervorhersage aufmerksam verfolgt hatten (ihre Treffsicherheit ist hier in Schottland natürlich auch nicht besser), entschieden wir uns für diesen Sonntag und Montag für unsere 2-Tages Wanderung in den Cairngorms. Die Gegend um Loch Muick herum ist wunderschön und gehört zum Balmoral Estate und ist im Privatbesitz von Königin Elisabeth II. Dort wandert im Herbst auch öfter die königliche Familie, insbesondere Prinz Charles. Uns verlockte jedoch die traumhafte Natur und wir wurden auch gleich mit einigen prachtvollen Hirschen belohnt, die wir während der Wanderung beobachteten. Die erwähnte Wettervorhersage hatte für den Nachmittag ein Nachlassen des Regens versprochen und für den Montag sonniges Wetter. Was wir jedoch vergessen hatten, war die Windvorhersage auch zu beachten. Wir liefen gegen Mittag los und nach einigen Metern ließ der Regen nach. Es wurde kurz sonnig und warm, was die Midges erfreute, und wir liefen einen relativ gut begehbaren Weg Richtung des Berges Lochnagar und genossen die Heidelandschaft.

Nach einer Müsli-Riegelpause ging es nun steil den Berg hoch, der leider von Wolkenschwaden umhangen war. Steinerne Stufen führten stetig bergan und ein heftiger Wind kam von der Seite. Inzwischen waren wir in den Wolken, es war kalt, die Sicht gering und der Wind wurde nun stürmisch böig und so stark, dass wir beim Gehen ins Wanken kamen mit unseren Rucksäcken. Auf der Höhe angekommen, verzichteten wir auf den letzten Aufstieg zum Gipfel, da ja eh keine Sicht vorhanden war, und gingen den Pfad Richtung Lock Muick hinunter. Eigentlich hatten wir in der Höhe auch zelten wollen, aber zum einen war es zu windig, zum anderen fanden wir nicht eine einzige geeignete ebene Stelle, die nicht völlig sumpfig und nass war. Nachdem wir an dem herrlichen Wasserfall den Berg hinab gestiegen waren, zelteten wir letztlich vor dem Jagdhaus der königlichen Familie Glas Allt Shiel, das mit geschlossenen Fensterläden einen verlassenen und sehr unwirtlichen Eindruck macht. Dankenswerterweise ist dort ein Bothy (eine Notunterkunft) eingerichtet, das aus einem dunklen kleinen Raum mit Ofen besteht, aber sehr verräuchert roch, so dass wir nicht darin schliefen. 


17. Tag: Restliche Wanderung und Dolphin Centre Spey Bay


Nach einer sehr stürmischen Nacht, das Zelt hielt zwar, aber an guten Schlaf war weniger zu denken, wachten wir schon gegen 5 Uhr auf. Es war zwar wie angesagt sonniger geworden, aber immer noch sehr stürmisch. Wir frühstückten deshalb im Bothy bei Kerzenschein (das Bothy ist sehr nützlich ausgestattet mit Kerzen, Töpfen, Tisch und Stühlen und Trockengestell) und machten uns auf den Rückweg entlang des Lochs Muick. Die Berge wirkten im Morgenlicht sehr prachtvoll und wir sahen weitere große Herden von Hirschen, wobei wir immer noch das mystische Erlebnis des gestrigen Tages im Kopf hatten, als uns drei Prachtexemplare im Nebel gegenüber standen.

Da wir nun schon am frühen Morgen mit der Wanderung fertig waren, planten wir um und fuhren direkt in die Region Speyside, die das nächste Ziel unserer Reise war. Wir fuhren bis hoch zur Mündung des Speys und besichtigten das Scottish Dolphin Centre und blickten auf die relativ raue See, konnten zwar keine Delphine sehen, dafür aber einige schöne Vögel. Das Centre kostet keinen Eintritt und bietet allerlei Informatives.

Wir aßen noch einen Kuchen und tranken schottischen Tee beim nahegelegenen Gordon Castle, dessen Gärten wir jedoch nicht besichtigten.

Am Abend fuhren wir nach Charlestown of Aberlour auf den dortigen Campingplatz, kauften noch einige Leckereien ein und grillten. 


18. Tag:  Aberlour in Speyside und der Whisky


Wenn wir von unserer Schottlandreise ein Örtchen nennen sollten, das wir besonders ins Herz geschlossen haben, dann wäre dies Aberlour. Das fängt schon damit an, dass Aberlour eine kleine Touristeninformation mit Toilette im alten Bahnhofsgebäude hat, die ehrenamtlich von sehr freundlichen Mitarbeitern betrieben wird und es dort einen kostenfreien Parkplatz (auch für Wohnmobile) gibt, den wir für den heutigen Abend vorgesehen hatten. Eigentlich parkten wir schon am gestrigen Abend hier und wollten spontan in dem Restaurant „The Mash Tun“, einer Whisky Bar essen gehen. Auf unsere Anfrage hin, waren jedoch schon alle Tische reserviert. Deshalb beschlossen wir spontan für den heutigen Abend einen Tisch zu reservieren, denn das Menü mit dazu begleitenden „Whisky“-, nicht Weinempfehlungen begeisterte uns. So planten wir um und beschlossen aus guten alkoholischen Gründen, hier direkt im Örtchen, keine 2 Gehminuten von dem Lokal entfernt zu übernachten. Ein kurzer Rundgang durch den Ort überzeugte uns dann vollends von Aberlour, als Thomas einen entzückenden Speyside Spezialitäten Laden entdeckte, der nicht nur durch seine bezaubernde Einrichtung, sondern auch diverse Leckereien das Herz höher schlagen ließ. So war also unser Plan für den Genießertag entstanden.

Gesagt, getan: gleich am Morgen fuhren wir nach Aberlour und besuchten zunächst die Touristeninfo, um Ideen für kleine Spaziergänge zu sammeln. Denn das regnerische Wetter hielt uns davon ab, die eigentlich geplante Wanderung zum Ben Rinnes mit herrlicher Aussicht zu unternehmen, wenn dieser nur mit Wolken verhangen war. Zwei kleine Rundwege machten wir, am Morgen querten wir den Spey über eine schöne Hängebrücke und machten einen Rundweg mit Aussicht von oben auf den Ort. Am Nachmittag ging es zu den Linn Falls Wasserfällen, direkt an der Aberlour Distillery vorbei.

Ein kurzer Ausflug zu der noch inhabergeführten Distillery Glenfarclas  reichte aus, um Thomas zu einem Whisky Freund zu bekehren. Wunderschöne Verkaufsräume empfangen einen und freundliche Mitarbeiter bieten einem Whiskyproben an, die man ganz in Ruhe genießen kann. Nachdem wir zunächst den 15 Jahre alten Whisky testeten, wurde wir dann vom 21 Jahre alten, der wesentlich ausgewogener ist, völlig überzeugt, von dem wir auch eine Flasche kauften.

Dort kann man im übrigens auch für 7,50 £ pro Person eine Führung machen, was wir nicht taten, da wir morgen die Aberlour Distillery besichtigen wollten.

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UUnd nun zur Beschreibung des abendlichen Highlights im The Mash Tun, und man verzeihe mir, wenn sich nun nach den Whiskys bei mir ein paar Schreibfehler in den Bericht eingeschlichen haben sollten. Die Atmosphäre, das leckere Essen und dazu die traumhaften Whiskys waren ein Erlebnis. Wir hatten hausgeräucherten Lachs sowie Haggis mit Black Pudding als Vorspeise. Dann gab es Aberlour Angusrind Steak und eine Brie-/ Rote Bete Tarte und als Abschluss teilten wir uns einen Sticky Toffee Pudding. Beeindruckend waren die unterschiedlichen Whiskys dazu, jeder mit anderen Noten und anderem Geschmack, ohne Essen und während des Essens abermals sich ändernd. Von einem milden Whisky wie dem Talisker 10 J. von der Isle of Sky, über einen extrem rauchigen Whisky, dem Lagavulin 16 J. zum Haggis bis hin zum einem vollmundigen Glenfiddich 18 J. oder einem Dalmore 12 J., dessen Karamell-/ Orangen-Note ausgezeichnet zum Nachtisch harmonierte. Ein unvergleichliches Erlebnis, für Interessierte anbei die Website:  http://www.mashtun-aberlour.com.

 


19. Tag: Aberlour und Fahrt nach Edinburgh


Am Morgen stand nun die Whisky-Tour und Verkostung in der Aberlour Distillery an, welche 1879 von James Fleming gegründet wurde. Wir hatten telefonisch Plätze vorab reserviert, was empfehlenswert ist. Üblicherweise kostet die Führung 15 £ pro Person, da aber zur Zeit die Kessel repariert wurden und noch nicht wieder in Betrieb waren, bezahlten wir nur 10 £. Ein besonderer Service ist das Autofahrerpaket, das für zusätzliche 3 £ angeboten wird und aus einem Täschchen mit 5 kleinen Flaschen besteht. Hier kann man sich dann den angebotenen Whisky mit einem Minitrichter einfüllen. Die Führung dauerte eineinhalb Stunden und wurde von einer sehr freundlichen Dame durchgeführt. Wir lernten einiges über die Whiskyherstellung, die Geschichte von Aberlour und der Distillery und konnten durch die Werkanlagen laufen. Zum Abschluss gab es dann die Verkostung und wir waren von der Qualität des Whiskys sehr angetan und haben deshalb eine Flasche vom Aberlour a'bunadh für uns sowie eine als Geschenk für einen Freund mitgenommen. 

Anschließend fuhren wir über das Spey Tal Richtung Perth und dann weiter nach Edinburgh. Wir kauften noch einige besondere Biere bei der Cairngorms Brewery in Aviemore ein und machten einen kurzen Besuch der Ruine Ruthven Barracks. Nach Überquerung der Brücke über den Firth of Forth hielten wir kurz in South Queensferry und machten ein Foto von der beeindruckenden alten Eisenbahnbrücke. Als Übernachtungsplatz hatten wir einen Parkplatz am Strand von Portobello vorgesehen, wo wir auch noch über den schönen breiten Strand liefen und ein Eis aßen. Nach Regen am Morgen war nun am Abend wieder die Sonne hervorgekommen und wir genossen einen herrlichen Blick auf das Meer. Einigen Jugendlichen gefiel der Platz auch und sie beschlossen ein Strandfeuer aus großen Holzpaletten zu machen. Wir parkten noch etwas weiter abseits, da wir aus Erfahrung viel nächtlichen Trubel fürchteten.

Bild: Firth of Forth
Firth of Forth
Bild: Ruthven Barracks
Ruthven Barracks

20. Edinburgh


Bild: Edinburgh Castle
Bild: Edinburgh Castle

Heute stand Edinburgh auf dem Programm und der Parkplatz in Portobello erwies sich als sehr günstig gelegen. Wir nahmen die Buslinie 26 gleich morgens früh, der Bus fährt zu der Zeit ca. alle 10 Minuten und brauchten bis zur Stadtmitte 25 Minuten. Eine Einzelfahrt kosten 1,60 £, ein Tagesticket 4 £. Das lohnt sich preislich anstatt in der vollen Innenstadt mühsam einen Parkplatz zu suchen, der dann womöglich noch teurer ist. Wir starteten die Stadtbesichtigung beim Caledonian Hotel, besuchten die schöne Kirche St. Jules und wanderten dann hoch zum Castle. Aufgrund eines Festivals war der direkte Weg zur Esplanade gesperrt und auf dem Vorplatz eine große Bühnenanlage aufgebaut. Wir hatten im übrigen die Eintrittskarten (17 £ pro Person) für das Castle im Internet gebucht. Leider funktioniert der Scanner dort nicht mit dem elektronischen Barcode des Tickets, so dass wir noch beim Visitor Centre die Tickets nachdrucken lassen mussten. Generell ist die Vorbestellung sinnvoll, ist dort schon morgens eine lange Schlange.

Wir genossen die schöne Rundumsicht, bewunderten die Anlage und Räumlichkeiten sowie natürlich die schottischen Kronjuwelen und konnten nun den Stone of Scone im Original sehen. Dann schoben wir uns mit den Touristenmassen die High Street, bzw. Royal Mile entlang. Edinburgh erscheint uns unglaublich touristisch, zumindest dort und bei den Hauptsehenswürdigkeiten. Unzählige Andenkenläden, Tweed, Kilt-Geschäfte, Geschäfte mit keltischem Schmuck und ein Pub neben dem anderen. Wir drehten eine Runde über den Grasmarket, sahen das Denkmal des Greyfiars Bobby (ein treuer Hund) und aßen im dortigen bekannten Restaurant zu Mittag. Zurück auf der Mile ging es weiter vorbei an unzähligen Dudelsackspielern (aufgrund unserer Highland Games Erfahrung konnten wir sie nun als schlechte Spieler beurteilen) bis hinunter zum Holyrood Palace. Den Eintritt dort (in Höhe von 12,50 £) sparten wir uns, da wir noch eine größere Runde durch Edinburg laufen wollten. Im allgemeinen empfinden wir übrigens die Eintrittsgelder in Schottland als relativ hoch, trotz des günstigen Euro-Wechselkurses.

In der Patisserie Valerie machten wir eine echte Afternoon Tea-Time, denn das war Judiths Wunsch. Hatte sie doch dies früher mal in London während ihres Studiums dort mit Freunden und Verwandten gemacht. Gut gesättigt ging es weiter, die Sonne schien auch nach einem zwischenzeitlichen Regenschauer wieder. Das Kaufhaus Jenners ist prunkvoll, das Scott Memorial beeindruckend. Wir ließen die Kunsthallen hinter uns liegen und gingen noch die George Street entlang bis zur Dean Village. Am Fluss entlang konnten wir etwas entspannen und die romantischen Häuser bewundern.

Insgesamt hat uns besonders die Bauweise des so hügeligen Edinburghs beeindruckt, geht es dort ständig bergauf, bergab, ab und zu einen schmalen Close entlang, über Brücken hinweg von Mauern ständig umgeben. Immer wieder eröffnen sich romantische Sichten, mittelalterliche Fotomotive finden sich an jeder Ecke.

Am Abend waren wir sehr müde und würden als Fazit, ähnlich wie bei Glasgow ggf. eineinhalb Tage empfehlen, wenn man sich mehr Zeit für die Stadt lassen möchte. Und man muss bedenken, dass die Stadt wirklich von Touristen überlaufen ist.


21. Tag:  Tag: St. Abb's Head, Dunbar und Bass Rock


Wir waren am Vorabend noch bis St. Abb's Head gefahren, fanden dort aber keine gute Park- und Übernachtungsmöglichkeit für unseren Amundsen. Schließlich parkten wir in einer Parkbucht an einer kleinen Straße, die hinunter ins idyllisch gelegene St. Abbs führt. Am Morgen ging die Wanderung vom Visitor Centre aus (dort ist ein Tagesparkplatz, der 3 £ kostet). Wir liefen 6 km rund um die Klippen, sahen unzählige Seevögel, Möwen, Basstölpel sowie Krähenschaben und erfreuten uns an der Aussicht. Die Wanderung dauert ca. 2,5-3 Stunden und ist leicht zu gehen und sehr empfehlenswert. Im Anschluss fuhren wir nach Dunbar, einem kleinen Städtchen am Meer, kauften dort etwas ein und warfen einen Blick auf die Ruine des alten Castles.

Für den Ort hätte man sich durchaus noch mehr Zeit gönnen können, aber wir hatten einen Termin um 15 Uhr im Scottish Seabird Centre in North Berkshire. Dort hatten wir eine Bootstour zu drei Vogelinseln im Firth of Forth gebucht, darunter den berühmten Bass Rock. Den dort ausgewiesenen Besucherparkplatz können wir im übrigen nicht empfehlen, ist er sehr teuer (3 h für 6 £, darüberhinaus Tagestarif für 7 £). Wir hätten das sogar gezahlt und hatten uns noch Kleingeld besorgt, stellten dann aber beim Automaten fest, dass dieser noch die alten Pfundmünzen benötigt, von denen wir natürlich nicht ausreichend hatten. Also fuhren wir zum ca. 500 Meter entfernten höher gelegenen kostenlosen Langzeitparkplatz beim Fußball- und Sportplatz. 

Zunächst besichtigten wir das Seabird Centre, wobei uns hier besonders die Live Kameras beeindruckten, kann man bei denen sehen, was gerade auf den Inseln los ist (für Neugierige, hier der Link: https://seabird.org/wildlife/webcams/12/28). Wir hatten die Three-Island Tour mit Boot gebucht für 26 £. Zunächst bekommt man wasserfeste Kleidung sowie Rettungswesten, denn man kann in dem Schlauchboot mit festen Rumpf durch die Gischt auch nass werden. Im Boot sind recht komfortable Sitze, ähnlich wie Sättel und es passen max. 12 Passagiere rein. Die Tour dauerte 1 1/4 Stunden und war traumhaft. Mit ordentlicher Geschwindigkeit ging es über das Wasser zu den Inseln, eine echt schottische rothaarige Führerin erläuterte uns mit Humor die Vogelwelt und wir konnten nun sogar Papageitaucher ganz aus der Nähe sehen. Am beeindruckendsten ist der Bass Rock. Auf diesem kleinen Felsen im Meer, wo heute nur noch ein Leuchtturm steht und früher mal ein Gefängnis war, brüten inzwischen ca. 50.000 Basstölpel und noch einige andere Möwen. Im Sonnenlicht glitzert der Felsen weiß durch unzählige Vögel. Wir fuhren nah heran und konnten die kleinen flauschigen Jungen beobachten, die elegant schwebenden und tauchenden Basstölpel, die in unvorstellbarer Menge über uns flogen und auf der Insel saßen. Auf dem Rückweg warfen wir noch einen Blick vom Wasser aus auf die Castle Ruine Tantalon, die im übrigen auch einen Ausflug Wert wäre, hätten wir mehr Zeit gehabt.

Am Abend fuhren wir dann weiter Richtung Süden zu dem letzten Zwischenstopp Melrose. Der dortige Campingplatz  war leider voll, so wählten wir den Ashieview Stud in Ancrum, der ca. 12 Meilen südlich liegt. Er liegt bei einem alten Bauernhof, und bietet wenig Komfort, kostet dafür aber nur 11 £ und hat seinen besonderen Charme und eine herrliche Aussicht über die Landschaft.  


22. Tag: Melrose Abbey und Rückreise


Den Vormittag des letzten Tages verbrachten wir in Melrose, denn unsere Fähre von Hull zurück nach Rotterdam ging erst um 20:30 Uhr. Melrose mit der berühmten Melrose Abbey ist ein sehr hübscher kleiner, geschichtsträchtiger Ort. Wir fanden eine Beschreibung für einen Stadtrundgang, der wir folgten. Hübsche alte Häuser, eine kleine Einkaufsstraße, der Fluss Tweed sowie zwei schöne Berge laden zum Bummeln und Wandern ein. Das Highlight ist natürlich Melrose Abbey, ein Kloster das eine bewegte Geschichte hinter sich hat und seit dem 16. Jahrhundert eine Ruine ist. Dort soll auch das Herz von Robert the Bruce einbalsamiert liegen, ein Gedenkstein markiert die Stelle. Das Wetter hielt sich, Sonne und Wolken wechselten sich ab und wir hatten vom alten Kirchturm aus eine schöne Aussicht über den Ort. Ein kleines Museum mit Ausstellung rundet den Besuch der Abbey ab, deren Eintritt im Übrigen 6 £ pro Person kostet.

Zum Abschluss aßen wir noch ausgezeichnet zu Mittag in The Townhouse Hotel bzw. Restaurant. Die dortigen Fish ’n Ships waren köstlich, die Zubereitungsart heißt battered und Thomas setzte diese Variante an die Spitze seines Schottland-Rankings der besten Fish ’n Ships.

Nach Hull waren es dann noch ca. 4 Stunden Fahrzeit, der Verkehr war flüssig und so ging ein wundervoller Urlaub mit der Rückfahrt der Fähre nach Rotterdam zu Ende.


Zusammenfassung und Nützliches

Reisezeit: Schottland ist typischerweise ein Reiseland für den Sommer, aber auch dann sollte man mit häufigem Regen rechnen. Das Wetter ist an der Westküste deutlich regnerischer als an der Ostküste, und ähnlich verteilt gibt es auch wesentlich mehr Midges im Westen. Mit einem guten Antimückenmittel (Deet-Basis) sollte man jedoch keine großen Probleme haben, außerdem hilft geschlossene Kleidung. Da das Wetter sehr wechselhaft ist – bei uns war es auch teilweise stürmisch, sind Mehrtageswanderungen mit Zelten nicht so gut planbar und wir hatten hier Schwierigkeiten. Hingegen könnten Streckenwanderungen mit Übernachtungen in B&B Häusern eine gute Alternative bieten, insbesondere zum Aufwärmen und Trocknen.

 

Unterkunft: Schottland, ähnlich wie England ist ein Land des Bed & Breakfast, oder als Kontrast dazu der Schlosshotels und Herrenhäuser. Das Erlebnis eines alten Schlosshotels können wir sehr empfehlen, gibt es doch einem einen guten Einblick in die  britische Lebensart und Atmosphäre der Oberschicht. Die Preise für eine Nacht in einem solchen Hotel sind natürlich entsprechend hoch und liegen bei ca. 150-300 £ für ein Doppelzimmer. Auch Campingplätze gibt es gute und viel Auswahl, typischerweise kosten sie zwischen 20 und 30 £. Wild campen ist auch möglich, hier eignen sich viele Parkplätze solange sie nicht mit „no overnight parking“ gekennzeichnet sind. Eine gute Website für solche Wild Camping Plätze fanden wir hier: http://www.wildcamping.moonfruit.com.

 

Essen: Das englische bzw. schottische Essen ist besser als sein Ruf. Uns haben die Klassiker wie Fish ’n Ships, Haggis und Black Pudding sehr gut geschmeckt, wobei die beiden letzten nicht jedermanns Geschmack sein dürften. Einige gute Lokale haben wir im Blog weiter unten erwähnt. Die sehr gut ausgestatteten Supermärkte bieten für die Selbstverpflegung alles an, was man haben möchte. Wir haben gerne bei Coop und bei Morrisons eingekauft. Einige Einkaufsklassiker für Großbritannienfans sind Custard (Art Vanillesoße/Creme), die wir oft zu frischen Früchten gegessen haben, Lemon Curd (Zitronenaufstrich/“Zitronennutella“), Fudges oder Clotted Creme. Und natürlich Chips in allen Geschmacksrichtungen. Im übrigen ist Alkohol aufgrund der höheren Steuer teurer, das fällt besonders beim Whiskykauf auf, den man in Deutschland günstiger bekommen würde.

 

Sehenswürdigkeiten: Erfreulicherweise ist der Eintritt in Museen meistens kostenlos, dafür liegen die Eintrittspreise für die Castles und Sehenswürdigkeiten in der Regel pro Person über 10 £. Wer mehrere Castles und Sehenswürdigkeiten besichtigen möchte, sollte sich deshalb überlegen, eine jährliche Mitgliedschaft bei Historic Scotland zu erwerben. Für 52,50 £ pro Person (Paare und Familien günstiger) kann man dann die Sehenswürdigkeiten kostenlos besichtigen. Dies kann sich durchaus rechnen, man sollte aber prüfen, ob auch die Sehenswürdigkeiten, die man sehen möchte, dabei sind (u.a. Stirling Castle, Edinburgh Castle, St. Andrew Castle und Abbey, Melrose Abbey) und dann nachrechnen. Näheres unter https://members.historic-scotland.gov.uk.

 

Autofahren: An den Linksverkehr gewöhnt man sich schnell und wenn man ein Navi hat wie bspw. TomTom empfiehlt es sich, dieses auf Meilen umzustellen. So bekommt man auch sehr praktisch die Geschwindigkeit, die man fährt in Meilen angezeigt und kann die Höchstgeschwindigkeit korrekt einhalten. Generell ist zu beachten, dass man mehr Zeit für die Strecken einplanen soll, insbesondere in den abgelegenen Gebieten, in denen man bspw. auf den Single Track Roads nur langsam voran kommt.

 

Weitere Tipps: Ein Problem stellen ältere Automaten in Schottland dar, wie bspw. Parkautomaten oder Automaten für Waschmaschinen (auf Campingplätzen), welche nur die alten Pfundmünzen akzeptieren. Da nicht mehr so viele Münzen im Umlauf sind, sollte man sich die alten gut aufheben. Insgesamt ist Benzin bzw. Diesel relativ teuer in Großbritannien, ein guter Tipp ist es jedoch, bei Tankstellen, die großen Supermärkten angeschlossen sind, zu tanken. Hier haben wir bspw. ca. 6-8 Pence weniger pro Liter gezahlt als der normale Preis. Überteuerte Tankstellen an Autobahnen sollte man meiden. Zu beachten ist auch, dass in es in sehr entlegenen Gegenden (Hybriden, nördliches Schottland, Highlands) teilweise schwierig ist, Geschäfte und Geldautomaten zu finden.


  siehe auch1 Woche Rundreise durch Schweden 


Unsere eigene Webseite:

Bild: Logo der Webseite www.SIEBENEINHALB.eu
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Judith & Thomas haben jetzt eine eigene Webseite in der sie über ihre Pläne und ihren Vorbereitungen einer Weltreise mit selbstausgebautem Wohnmobil berichten.