10 Tage Cartagena in Kolumbien

In 80 Tagen um die Welt - Teil 2

Nach der einwöchigen Robinsonade folgen 10 entspannte Tage in Cartagena de Indias, der atlantischen Perle Kolumbiens. Die 1,1 Mio. Einwohner sind stolz darauf, in der nach Santa Marta zweitältesten Stadt des Landes zu wohnen. Besonders sehenswert ist das Centro Historico (Weltkulturerbe seit 1984) innerhalb der weitgehend erhaltenen Festungsanlagen. Hier halte ich mich auch am häufigsten auf und beobachte, wie die Cartagener die Touristen auf sympathische Weise „in Wert setzen“.

Das Justizgebäude strahlt wieder Autorität aus, seit dem 2014 zwischen der Re-

Bild: Justizgebäude in Cartagena in Kolumbien

gierung und der FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) eine unbefristete Waffenruhe vereinbart wurde. Es gibt kaum noch Entführ-ungen, das übermächtige Drogen-kartell Pablo Esobars wurde bereits in den 90-igern des vergangenen Jahrhunderts zerschlagen. Cartagena gilt als die sicherste Stadt des Landes, was sicher auch der hohen Präsenz der Polizei geschuldet ist. 

Ich wohne in Getsemani, einem traditionellen Handwerkerviertel, das direkt an die Altstadt angrenzt. In der Reisebroschüre der Reederei heißt es noch: „Nach Einbruch der Dunkelheit gilt die Altstadt als recht gefährlich und das Getsemani-Viertel sollte man ohnehin zu jeder Tageszeit meiden.“ Das ist totaler Unfug. Man stelle sich vor, Ähnliches stände in einem Hamburg-Reiseführer über das Schanzenviertel. Achtsam sein muss man halt überall auf der Welt.

Zum ersten Kennenlernen eines unbekannten Stadtzentrums nutze ich, wo immer möglich, eine Free-City-Walking-Tour, bei der man schlussendlich natürlich einen angemessenen Betrag zahlt. Ich habe Glück, Edgar als Guide zu bekommen, der auf Tripadvisor für seine unterhaltsamen Führungen zu Recht vielfach gelobt wird.

Bild: Die Gruppe meiner Free-City-Walking-Tour

Zum ersten Kennenlernen eines unbekannten Stadtzentrums nutze ich, wo immer möglich, eine Free-City-Walking-Tour, bei der man schlussendlich natür-lich einen angemessenen Betrag zahlt. Ich habe Glück, Edgar als Guide zu bekommen, der auf Tripadvisor für seine unterhaltsamen Führungen zu Recht vielfach gelobt wird.

Blickfänger sind u. a. die Palenqueras, farbige Frauen aus dem Ort Palenque, die traditionell vom Obstanbau und –verkauf leben. Dass man sich als Fotomotiv viel einträglicher zur Schau stellen kann, haben sie längst zum Geschäftsmodell gemacht:

Da wird zunächst gemeckert, als ich sie fotografiere. Der Satz „Yo voy a comprar alguna fruta ahora mismo.“ Lässt dann unverzüglich die Röcke schweben.

Bild: Volcan de Lodo El Totumo bei Cartagena

 

 

50 km östlich von Cartagena liegt der Volcan de Lodo El Totumo.

Ein Bad in dessen Schlamm verjüngt angeblich um eine volle Dekade. Also nimmt man dies zweifelhafte Vergnügen gern auf sich.

Und siehe da: Beim Hinaufklettern der Leiter fühle ich mich wie knackige 59!

Auch diese doch etwas spezielle Erfahrung trägt zur Wertschöpfung der Bevölkerung bei, denn der Fotograf, das Mädchen, das anschließend den Schlamm abspült, der Schlamm-masseur im Becken – sie alle erhalten 4000 Pesos (= 1,30 €).

Bild: Leckeres Essen

 

 

Da schmeckt das anschließende Essen am karibischen Strand doch doppelt so gut.

Am liebsten verbringe ich die Stunden unter schattenspendenden Bäumen am Plaza de Bolivar, zumal dort auch häufig etwas für Augen und Ohren geboten wird.

Bild: Plaza de Bolivar
Bild: Straßenfegerin in Cartagena

 

Außerdem fegt dort die mas bonita barrendera del mundo.

Bild: Fernsehübertragung in der Kneipe

 

 

 

 

Auf den aktuellen Sport muss ich selbst hier nicht verzichten.

Das unglückliche 1:2 des HSV gegen Bayern im Freitagabendspiel sehe ich live in einer Sportbar und fachsimple derweil mit den Pauli-Kumpels per WhatsApp.

 

Die Uhr auf dem Foto geht nicht, es war dos y media.

Was in Kolumbien, wie in vielen südamerikanischen Ländern, nervt, ist das unterentwickelte Umweltbewusstsein. Einerseits sind zig- Straßenkehrer (barrenderos) mit niedlichen Besen im Einsatz, andererseits wird im Supermercado auch jedes Streichholz noch in eine gesonderte Plastiktüte gesteckt. Selten sieht man jemanden mit einer Bolso aus Baumwolle. Die Folienlobby hat das alles total im Griff. Den Pazifik kann man ja angeblich bald zu Fuß auf dem Plastiktütenteppich überqueren. Die südlichste Provinz Chiles macht hier eine löbliche Ausnahme. Vor einem Jahr ist dort ein Plastiktütenverbot eingeführt worden, bei dem niemand außer der entsprechenden Industrie zu Schaden kam.

Einen schweißtreibenden Aufstieg wert ist die Festung San Felipe, die größte, die die Spanier je errichtet haben. Schließlich war Cartagena deren Einfallstor nach ganz Südamerika.

1762 war man dann endlich fertig.

Von hier oben hat man einen schönen Blick über die Stadt.

Heute Abend beginnt ein neuer Abschnitt meiner Reise, der Schiffstörn durch den Panamakanal und quer über den Großen Teich, wie die Seeleute sagen, nach Auckland (Neuseeland). Ich bin schon gespannt auf die Crew der „Spirit of Shanghai“. Schließlich werde ich mit den Offizieren mehr als 60 Mahlzeiten an einem Tisch einnehmen. Wahrscheinlich kann wieder nur einer Skat spielen. 

Außer mir sind maximal noch 2 Passagiere an Bord, denn es stehen nur eine Doppel- und eine Einzelkammer (eben meine) zur Verfügung. Am wichtigsten allerdings ist der Smut. Hauptsache, es ist nicht John Silver.

 

Auf meinen E-Reader habe ich bereits 2 Dutzend Bücher geladen, darunter „Hundert Jahre Einsamkeit“ und „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ von Gabriel Garcia Marquez. Außerdem einige Neuseeland- und Australienromane sowie ein paar Hongkong- und Hamburg-Krimis. Außerdem ziehe ich mit dem WLAN des Hotels gerade noch 2 Hörbücher aufs Smartphone, damit ich beim täglichen Schwitzen im Fitnessraum des Dampfers etwas Unterhaltung habe.

Wer mehr über den Dampfer, der 2007 unter dem Namen „Bahia Castillo“ in Südkorea für Hamburg-Süd vom Stapel gelaufen ist, erfahren will, muss hier gucken:

 

http://www.marinetraffic.com/de/ais/details/ships/shipid:727589/imo:9362401

 

Ich hoffe, an Bord einen E-Mail-Account zu bekommen, um so in Kontakt mit der großen, weiten Welt zu bleiben. WLAN, Internet usw. gibt es dort nicht, obwohl es via Satellit möglich wäre. Das ist der Reederei aber zu teuer. Allerspätestens werde ich mich etwa am 20. 02. aus Auckland wieder melden. 

Viele Grüße in die Heimat!

Rainer