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Ein Tag auf Hallig Hooge

Von Judith und Thomas

Bild: Wanderkarte von Hallig Hooge

Am Sonntag, den 11.09.2016 haben wir einen Ausflug zur Hallig Hooge gemacht und dabei abermals herrlichen Sonnenschein ge-habt. In Schüttsiel, rund 40 km nördlich von Husum, geht es auf die Fähre. Die Überfahrt dau-ert rund 75 Minu-ten. Wir hatten eine Tour der Adler Schiffe gewählt, die auch die Fahrt mit Pferdewagen, die Eintritte 

in den Königspesel, das Sturmflutkino sowie eine Erbsensuppe bei der Rückfahrt beinhaltete. Der organisatorische Service war leider nicht sehr gut, so dass wir eher eine eigenständige Organisation empfehlen würden. 

Die Warften waren beeindruckend mit dicht gedrängten hübschen Bauernhäu-sern, die Wiesen blühten sommerlich mit vielen hübschen Blumen. Der Königs-pesel war ein besonderes Highlight mit den wunderschönen, alten Fliesen an den Wänden.

Bild: Die Warft auf Hallig Hooge

Und auf der Rückfahrt konnten wir noch einige sich auf einer Sandbank sonnen-de Seehunde beobachten.

Die Halligen

Die Halligen sind kleine, nicht oder nur wenig geschützte Marschinseln vor den Küsten, die bei Sturmfluten überschwemmt werden können. Sie liegen im nordfriesischen Wattenmeer an der Nordseeküste Schleswig-Holsteins sowie an der Nordseeküste Dänemarks. Die zehn heute noch existierenden, bis 956 Hektar großen deutschen Halligen gruppieren sich kreisförmig um die Insel Pellworm, die selbst keine Hallig ist. Sieben der zehn Halligen sind heute bewohnt. 

Bild: Foto der Hallig Hooge

Die Halligen erheben sich nur wenige Meter über dem Meeresspiegel, wes-halb sie während einer starken Flut mit Ausnahme der Warf-ten, künstlich aufge-schütteten Hügeln, auf denen die Häu-ser stehen, überspült werden („Landunter“). Ihre Flora weist salzwasserresistente Arten auf, die der Landschaft ihr besonderes Gepräge geben. Eine weitere Besonderheit besteht darin, dass der Halligboden kein Süßwasser speichert, sodass es auf den Halligen außer Regenwasser kein natürliches Süßwasser gibt. Früher wurde deswegen das Regenwasser in den Fethingen gesammelt.

Die Halligen sind erdgeschichtlich junge Inseln, die durch Aufschlickung bzw. Aufschwemmung bei Überflutungen erst im vergangenen Jahrtausend auf altem, untergegangenem Marschland entstanden sind, oder – im Fall von Nordstrandischmoor – der Rest einer ehemals größeren Insel.

Im Gegensatz zu den Halligen verfügen die nordfriesischen Inseln Sylt, Amrum und Föhr über einen Geestkern, Nordstrand und Pellworm sind Reste des alten Marschlandes. Gelegentlich wuchsen Halligen durch Anlandungen zusammen. Da die Halligen lange keine Uferbefestigung besaßen, veränderte sich ihre Form häufig. Im Laufe der Zeit verschwanden viele wieder, andere wurden an das Festland angeschlossen. Auch die Hamburger Hallig ist keine Insel mehr, weist aber alle anderen Merkmale einer Hallig auf.

Bild: Foto auf Hallig Hooge

Die Warft

Bild: Die Warft

Eine Warft (auch Warf, Werfte, Worth, Wurt, Terpe oder Wierde genannt) ist ein künstlich aus Erde aufgeschütteter Siedlungshügel, der dem Schutz von Menschen und Tieren bei Sturmfluten dient. Auf einer Warft können sich je nach Ausmaß Einzelgehöfte oder auch Dorfsiedlungen (Warfen- oder Wurtendörfer) befinden. Die Form der Warften ist meist rund, manchmal aber auch langgestreckt. Sie kommen in den nordwestdeutschen Marschgebieten, in der Nordsee auf den Halligen sowie in den Niederlanden und im südwestlichen Dänemark vor. Die bereits seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. entstandenen Hügel waren lange vor dem Deichbau der einzig wirksame Hochwasserschutz.

Hallig Hooge

Hooge (dänisch Hogefriesisch Huuge) ist die zweitgrößte der zehn Halligen im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer. Die Gemeinde Hallig Hooge (bis 31. Dez. 2007 Gemeinde Hooge) umfasst neben der Hallig Hooge auch die unbewohnte Hallig Norderoog und gehört zum Kreis Nordfriesland. 

Hooge ist, anders als die anderen Halligen, von einem rund 1,20 Meter hohen Steindeich umgeben, so dass es vor Überflutung durch leichtere Sturmfluten geschützt ist. Dennoch wird die Hallig durchschnittlich zwei- bis fünfmal jährlich von Landunter betroffen. Die Bewohner der Hallig siedeln auf zehn Warften. Hooge ist vom Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer umgeben, aber nicht in den Nationalpark einbezogen. Sie liegt jedoch im Biosphärenreservat Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und Halligen. 

Bild: Foto Hallig Hooge

Die Herkunft des Namens „Hooge“ ist strittig. Möglicherweise bedeutet es hohe (Hallig), denn Hooge liegt etwas höher als die übrigen Halligen.

Vor 1362 war Hooge ein Teil der Pellwormer Harde der Insel Strand. Durch die Zweite Marcellusflut wurde sie von Strand getrennt. Die Kirche und Deiche wurden zerstört. Die Nordfriesen unterstanden seit dem 13. Jahrhundert im Wechsel den dänischen Königen oder schleswigschen Herzögen. Seit 1864/67 gehörte Hallig Hooge dann zu Preußen, seit 1871 zum Deutschen Reich.

Ein Erwerbszweig der Hooger war lange die Salzsiederei. 

Bis in die 1950er Jahre spielte die Müllentsorgung auf der Hallig Hooge keine Rolle, da fast alles, was an Resten übrig blieb, verwertet wurde. Das lag vor allem an der fast rein landwirtschaftlichen Ausrichtung der damaligen Halligwirtschaft. Seit den 1950er Jahren wurde der anfallende Müll in Gruben neben den Warften vergraben, wobei eine Grube pro Jahr genügte. Ab Anfang der 1970er Jahre wurde der Müll in Säcken gesammelt und vergraben. Heute wird der Müll in Containern gesammelt und abtransportiert. 

Die Hallig hat im Laufe der Zeit sowohl an Größe als auch an Einwohnerzahl abgenommen. 1593 gab es auf Hooge 23 Warften, 1758 waren es noch 16. Vor 200 Jahren waren es 10 Warften, von denen einige mit 20 Häusern bebaut waren, und 480 Einwohner. Vor der Flut von 1825 zählte man noch 100 Häuser und 393 Einwohner. 25 Jahre später waren es 70 Häuser und 250 Einwohner. Vor 100 Jahren wohnten auf 9 bebauten Warften in 35 Häusern 140 Personen. 2010 waren es noch 110 Einwohner, davon 83 mit erstem Wohnsitz, am 31. Dezember 2011 nur noch 84 Einwohner.

Der Königspesel

Bild: Das Haus - Der Königspesel
Bild: Zimmer vom Königspesel
Bild: Der Königspesel auf Hallig Hooge

 

Die größte Touristenattraktion ist der Königspesel, eine Friesenstube aus dem 18. Jahrhundert, die allerdings 1995 bei einem Brand beschädigt wurde. In diesem Haus hat einst der dänische König Friedrich VI. nach einer Besichtigung der damals zum dänischen Hoheitsgebiet gehörenden Hallig in der Nacht vom 2. zum 3. Juli 1825 übernachtet, weil eine Sturmflut eine Abfahrt unmöglich machte. Sie kann heute besichtigt werden und ist das zweite Museum der Warft.

Kirchwarft mit St.-Johannis-Kirche

Die St.-Johannis-Kirche befindet sich auf der Kirchwarft. Obwohl die Hooger Kirche erst 1637 geweiht wurde, trägt die hintere Bank auf der linken Seite des Gestühls die Jahreszahl 1624. In diesem Jahr wurde die in der großen Sturmflut von 1634 zerstörte Osterwohlder Kirche geweiht. Außer dem Gestühl stammen auch die Backsteine der Kirche, das Taufbecken und wahrscheinlich auch die Kanzel aus der zerstörten Kirche Osterwohld, einem Kirchspiel der auseinander gerissenen Insel Strand.

 

Bild: Kirchenschiff der St.-Johannis-Kirche

Da Hooge nach dem Untergang von Strand seine Holzkirche verloren hatte, wurde es dem Kirchspiel Pellworm zugewiesen.

Die Kirche ist umgeben vom Friedhof, auf dem sich das Grab des langjährigen Norderooger Vogelwartes Jens Wand befindet. Auf dem Friedhof befindet sich ein schlichtes Holzkreuz, die „Heimat für Heimatlose“. In seinem Bereich wurden nicht identifizierte, angespülte Strandleichen begraben.

Bemerkenswert ist, dass das Pfarrhaus neben der Kirche weit größer ist als die Kirche selbst.

 

Im „Glockenstapel“, einem Holzstuhl, hängt die einzige Glocke der Hooger Kirche. Die Gottesdienste während des Sommers sind oft gut besucht und abwechslungsreich gestaltet, da jedes Jahr viele christliche Jugendgruppen die Hallig besuchen. Auch gibt es auf Hooge gelegentlich Gottesdienste, die komplett in niederdeutscher Sprache gehalten werden; auch die Choräle werden dann in einer niederdeutschen Version gesungen.

Die Kirchengemeinde Hooge wird von einem auf der Hallig wohnhaften Pfarrer betreut. Gottesdienste finden an allen Sonntagen sowie den landesweit üblichen Feiertagen statt.

Gaststätte Friesenpesel

Bild: Friesenpesel auf Hallig Hooge
Bild: Restaurant Friesenpesel

Auf der Backens-warft, ganz in der Nähe vom Schiffs-anleger der Hallig Hooge, findet man dieses Restaurant.  

Der „Friesenpesel“, die älteste Gaststät-te auf der Hallig, wird geprägt durch seine Einrichtung mit über 200 Jahre alten original holländischen Kacheln und dem alten „Pesel“, eine antik eingerichtete Stube von 1746.

Beeindruckende Wasserstandspegel

Bild: Wasserstandspegel auf Hallig Hooge

Tiere auf der Hallig

Wiesel, Enten, Schafe, Möwen, Seerobben.

Das Sturmflutkino Hanswarft

In einem Kurzfilm wird auf eindrucksvolle Weise ein typisches Landunter auf einer Großbildleinwand vorgeführt.

Der Eintritt für Erwachsene betragt 3 €, für Kinder 2 €

 

Zwölf Kilometer kann man auf dem Deich entlang spazieren gehen, begleitet von Möwen und dem Geruch des Salzwassers. 

Bild: Haus auf Hallig Hooge